Unsere 150 Jahr Feier

150 Jahre Chorgesang in St. Aldegund 1. Teil

 

Als man in St. Aldegund 1951, gleichzeitig wieder mit der Einführung des „Sankt“ vor dem Ortsnamen Aldegund, den 100. Stiftungstag des Kirchenchores mit einem großen Fest feierte, war dies eigentlich nur der 100. Jahrestag der Erhebung zur eigenständigen Pfarrei St. Aldegund. Vorher war man nur Filialkirche von Alf.

Kirchenchöre“, die den liturgischen Gesang als Vorsänger oder auch gelegentlich mehrstimmig übernahmen, sind uns in Kirchenrechnungen und Kirchenordnungen des 17. und 18. Jahrhunderts auch in kleineren Pfarreien bereits überliefert.

Als in St. Aldegund die Witwe des Vogtes Niclas Rultz, Gertrud Kayserin, 1605 ihr Vermögen der Filialkirche St. Aldegund stiftete, werden die „Chorsänger und Chorjungfrauen“ bereits besonders bedacht.

Weltliche Gesangvereine, die zunächst im Regelfalle Männerchöre mit begrenzter Anzahl der Mitglieder – sog. „Liedertafeln“ – waren, sind erst eine Einrichtung des bürgerlichen 19. Jahrhunderts.

In den Moseldörfern ließ erst der Wirtschaftsaufschwung nach der tiefen Krise der Jahrhundertmitte um 1860 solche Männerchöre mit streng bürgerlichen Statuten entstehen; und da ist die Gründung des Männergesangvereins in St. Aldegund eine der ältesten.

Im Februar 1862 wurde zur Gründung eines Gesangvereins in das damals neu erbaute „Gasthaus Pauly“ eingeladen. Initiatoren waren die verschwägerten Winzer und Weinhändler Pauly und Andries die zu den wohlhabendsten Bürgern von Aldegund (das im späten 17. Jahrhundert von den Franzosen gestrichene und erst 1951 von der damaligen Landesregierung wieder genehmigte „Sankt“ gehörte 1862 nicht zum Dorfnamen).

Die 28 Gründungsmitglieder wählten Peter Scheid III zum ersten Vorstand. Als Dirigent verpflichtete man den Lehrer Joh. J. Simonis aus Pünderich. Sein Dirigenten-Honorar wurde für jede Übungsstunde und jeden Auftritt mit Kost und Logis, zwei Silbergroschen und zwei Zigarren bezahlt.

Wer Mitglied wurde, hatte einen Taler und 10 Silbergroschen „Eintrittsgeld“ zu zahlen. Der monatliche Beitrag wurde zunächst auf 2,5 Silbergroschen festgelegt, was man aber sehr bald auf einen Silbergroschen monatlich reduzierte.

Dies alles ist dem „Statuten- und Cassabuch“ des Vereins zu entnehmen.

Am 18. Juli 1863 wird der Verein vom Zeller Amtsbürgermeister Gottschalk aufgefordert, sich offiziell Statuten zu geben, die von allen Mitgliedern zu unterzeichnen seien.

Bereits am 25. Juli werden die Statuten unterschrieben und an die Behörde übersandt, damit war der Verein offiziell anerkannt und Mitglied des 1862 gegründeten „Deutschen Sängerbundes“.

Als Zweck des Vereins wird in den Statuten „das gesellige Zusammenkommen behufs Erlernen mehrstimmiger Männerlieder, erheiternde Unterhaltung durch Gesang und dadurch Bildung und Veredlung des Herzens und des Gemüthes“ fest geschrieben.

Voraussetzung für die Mitgliedschaft „ist vor allem ein guter Ruf, eine zum Singen geeignete Stimme, worüber der Gesangslehrer des Vereins zu entscheiden hat in Anwesenheit des Vorstandes“.

Die Aufnahme erfolgt durch geheime Wahl. Wer eine Stunde ohne anerkannten Grund versäumt, zahlt 5 Pfg Strafe, die mit dem Beitrag zu zahlen sind.

Brüderlichkeit, Frieden und Einigkeit sei allen Mitgliedern heilig: Eintracht sei ihr Losungswort!“

(Der Verein hatte daher wohl den Namen “Gesangverein Eintracht Aldegund“.)

Wer den Frieden trotz Mahnung stört, wird sofort aus dem Verein ausgestoßen.

Er verliert damit den Anspruch auf seinen Teil des Vereinsvermögens, das sehr bald durch Stiftungen aus Wein und auch an Grundstücken, die verpachtet werden, wächst.

Die Wahl des Vorstandes erfolgt jedes halbe Jahr nach der Rechnungslegung.

Nach der inoffiziellen Gründung dauerte der gesangliche und wirtschaftliche Aufbau des Vereins mehr als ein Jahr. Dies scheint nicht ohne Auseinandersetzungen gegangen zu sein, denn von den 28 Gründungsmitgliedern, die auch die Statuten unterzeichneten, sind kurz nach der offiziellen Stiftung bereits zwei ausgeschieden, darunter der erste Vorsitzende und drei „Ausgestoßene“. Ein Jahr nach Bestehen des Vereins hat er dann noch 17 zahlende Mitglieder, eine Zahl, die in den folgenden Jahren wieder auf 24 anwächst, sich aber bei ca. 19 Mitgliedern stabilisiert.

Die erste Abrechnung der Vereinskasse erfolgt fristgerecht am 7. September 1862 und schließt mit dem bescheidenden Kassenüberschuss von 6 Taler 28 Sgr. 4 Pf.

Erst durch eine Mostsammlung von 2 Ohm unter den Mitgliedern, die bei ihrem Verkauf nach Schleswig 36 Taler bringen, steigen die Einnahmen im zweiten Halbjahr auf 55 Taler, denen 31 Taler an Ausgaben gegenüber stehen, wovon 25 Taler eine Abschlagzahlung auf die beim Maler Franz Pauly in Düsseldorf bestellte Vereinsfahne sind.

 

 

 

150 Jahre Chorgesang in St. Aldegund 2. Teil

 

Dieser 1837 in Aldegund geborene Maler und spätere Weinhändler war der Sohn des Gründungsmitgliedes P. Philipp Pauly und der Maria Marg. Andries, hatte also eine starke Lobby im Verein. Er war 1862 noch freier Schüler der Düsseldorfer Maler-Akademie und erhielt mit der Gestaltung der Vereinsfahne seinen ersten größeren Auftrag. Pünktlich zu Pfingsten 1863 lieferte der Künstler die Seidenfahne mit dem Bild der hl. Cäcilia und einem Bild von Aldegund mit der Post nach Alf. Ihr Gesamtpreis war 80 Taler, 15 Sgr., die am 31.5.1863 beglichen wurden.

Am 25. Juli 1863 wurde dann der Verein mit den Unterschriften zu den Statuten offiziell gegründet. Am Kirmesmontag des gleichen Jahres (28.8.) erfolgte dann die feierliche Fahnenweihe, verbunden mit dem öffentlichen Stiftungsfest. Zu diesem Fest wurden nicht nur für 3 Taler mit den Böllern Pulver verschossen, sondern für 6 Taler, 15 Sgr. hatte der Maler Pauly aus Düsseldorf auch ein „Feuerwerk“ mitgebracht. Pauly besorgte auch in der Düsseldorfer Musikalienhandlung A. Gestewitz das gewünschte Liedmaterial. Genannt wird: „Die Deutsche Sängerhalle“ von Franz Alt, „Bleib bei mir“ von Netzer, „Du bist mein Traum“ von Zimmermann und eine Reihe lustiger Quartette von August Pfeiffer, Aug. Schiefer u.a.

Das Vereinsleben war mit Tanzveranstaltungen an Kirmes und den hohen Festen, rauschenden Silvesterfeiern im Gasthaus Pauly sowie Sängerfahrten, meist zusammen mit dem wohl kurze Zeit später gegründeten Verein in Alf, der vom Lehrer Scheu geleitet wurde, rege – und kostspielig. So kostetet eine 1865 mit Alf gemeinsam veranstaltete Moselfahrt pro Teilnehmer 8 Taler, 5 Sgr., deren Eintreibung dem Kassierer offensichtlich Mühe machte. Deshalb traten immer wieder Mitglieder aus, die finanziell wohl nicht mithalten konnten.

Das Kassenbuch umfasst die Jahre bis 1876. Der Verein scheint trotz mancher wirtschaftlicher Krisen gesund geblieben zu sein.

In der Zeit des Kulturkampfes hat dann der ursprünglich nur als weltlicher Verein gegründete Chor zunehmend auch den kirchlichen Gesang in der 1870 – 72 neuerbauten Pfarrkirche übernommen.

Deshalb wurde er im Bewusstsein der Leute zunehmend „der Kirchenchor“.

Richtig aber ist, dass dieser Verein ungebrochen die in den Statuten von 1863 festgelegten Aufgaben erfüllte mit weltlichem Gesang des Männergesangvereins, mit „erheiternden Gesangs- und Theaterabenden“ usw. Er hatte neben der kirchlichen Fahne immer auch eine weltliche Fahne.

Die kirchliche Fahne war seit den 1930er Jahren verschollen und wurde erst bei Baumaßnahmen in den 1980er Jahren auf einem Speicher im Ort wieder gefunden. Nach einer Restaurierung wurde die wertvolle und gut erhaltene Fahne zunächst in der Pfarrkirche aufgehängt und ist heute in einer Vitrine in der Alten Kirche zu bewundern. Das Bild der hl. Cäcila wird dazu beigetragen haben, dass sich der Chor später „Kirchenchor Cäcilia Aldegund“ nannte.

Der Chor, inzwischen ein gemischter Chor und Kirchenchor der Pfarrei St. Aldegund, hat die wechselvollen Zeiten bis nach dem 2. Weltkrieg gut überstanden.

Mit dem Aufkommen des Fernsehens schrumpfte die Zahl der Sänger jedoch erheblich. Das gleiche Schicksal traf den 1924 gegründeten Männergesangverein „Jugendlust“, sodass 1970 eine „Fusion“ der beiden Vereine notwendig war, um erfolgreich bei kirchlichen und weltlichen Anlässen auftreten zu können.

 

 

 

Im Jubiläumsjahr 2012 hat der Chor 37 Aktive, davon 13 Frauen im Sopran, 10 Frauen im Alt, 6 Männer im Tenor und 8 Männer im Bass.

Das Durchschnittsalter liegt bei 69,5 Jahren, es besteht also dringender Bedarf, um auch Jüngere, und hier meine ich insbesondere speziell die Altersstufe zwischen 30 und 60 Jahren, wobei selbstverständlich auch alle anderen Altersstufen willkommen sind, für den Gesang zu begeistern.

 

Chorleiter seit dem Zusammenschluss 1970:

1970 – 2002 Bernhard Koch

2003 – 2011 Matthias Ott

seit Juli 2011 Viktor Lindt

 

Vorsitzende seit dem Zusammenschluss 1970:

1970 – 1977 Ewald Reiz

1977 – 1980 Helmut Treis

1980 – 1981 Ewald Reiz

1981 – 1989 Jürgen Mörs

1989 – 1995 Ewald Reiz

1995 – 2007 Mathilde Treis

2007 – heute Jürgen Mörs

 

 

 

 

 

 

Wir gratulieren unseren Mitgliedern, die im Monat

D e z e m b e r

Geburtstag haben und wünschen alles erdenklich Gute !!!

Achtung !!!

Unsere Probezeiten:

Dienstags von

19.00 Uhr - 20.30 Uhr

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Gesangverein St. Aldegund